Schuld
Die Schuld am Unfall ist die faute, die Geldschuld die dette, die Schuld des Täters die culpabilité. Und „es ist meine Schuld“ bleibt schlicht c'est de ma faute.
Das Deutsche lädt alles auf ein Wort, das Französische verteilt nach Sphäre: die faute ist das Verschulden, vom Foul bis zur groben Fahrlässigkeit, der faute lourde. Die dette ist nüchtern das geschuldete Geld, mit dem débiteur als Schuldner. culpabilité gehört dem Strafprozess und der Seele, vom Schuldspruch bis zum schlechten Gewissen. Wer schuld ist, hat keine dette, sondern eine faute, und wer Schulden hat, ist deshalb noch lange nicht coupable.
„Wer ist schuld?“ heißt à qui la faute oder qui est responsable, nicht „qui a la dette“.
der Schuldner ist der débiteur, der Schuldige der coupable.
die grobe Fahrlässigkeit ist die faute lourde, die leichte die faute légère.
Unfallbericht und Mahnschreiben trennen die Welten sauber: im einen wird die faute verhandelt, im anderen die dette beziffert. Rutscht die culpabilité in einen Zivilbrief, klingt nach Strafprozess, was eine Haftungsfrage war.
Ohne Sphärengefühl greift die Automatik bei „Schuld“ mal zu dette, mal zu culpabilité, wie es die Umgebung nahelegt. Aus „die Schuld liegt beim Fahrer“ wird dann la dette est chez le conducteur, der Fahrer hat plötzlich Schulden statt Verschulden, und der Haftungssatz bricht zusammen.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.