Baiser
Das Baiser in der Konditorei ist die meringue. le baiser ist der Kuss, und als Verb ist baiser derb, Vorsicht auf Speisekarten.
Das deutsche Baiser kommt vom französischen Kuss, aber die Richtung zurück funktioniert nicht: das Gebäck heißt meringue, von der pâtisserie bis zum Rezeptbuch. le baiser ist der Kuss, literarisch und schön, doch als Verb ist baiser heute vulgär, weshalb der Alltag für Küsschen zu bise und bisou greift und fürs Küssen zu embrasser. Ein „Baiser“ auf der Karte einer französischen Konditorei wäre also doppelt falsch: falsches Gebäck, falsches Register.
das Schaumgebäck heißt meringue, nie baiser.
küssen heißt embrasser, das Verb baiser ist derb.
das Küsschen zur Begrüßung ist la bise, nicht le baiser.
Speisekarten, Rezepthefte, Konditorei-Websites: dort gehört meringue hin, sonst bietet die Karte Küsse feil. Und wer die Begrüßung beschreibt, bleibt bei der bise; le baiser gehört in den Liebesroman.
Rezepttexte geraten ins Rutschen: „die Baisers im Ofen trocknen lassen“ wird wörtlich zu baisers, und aus dem Gebäck werden Küsse im Backofen. Auf einer Konditorei-Karte wirkt der stehengebliebene falsche Freund erst komisch, dann peinlich, das Register des Verbs macht es nicht besser.