Geständnis

ikrar
Substantiv · Juristisch

Nimm ikrar, wenn das Geständnis als Erklärung im Verfahren gemeint ist; itiraf, wenn außerhalb eines Verfahrens gestanden wird oder der Text umgangssprachlich davon spricht. Im Zweifel entscheidet, ob die Erklärung zu Protokoll gegeben wurde.

ikrar
das Geständnis als Erklärung im Verfahren, also die Anerkennung einer für die Anklage erheblichen Tatsache durch den Beschuldigten oder den Angeklagten.
itiraf
das Gestehen in der Alltagssprache, auch außerhalb eines Verfahrens. Kein Begriff des Verfahrensrechts.
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Warum

Das türkische Strafverfahren kennt das Geständnis als ikrar und behandelt es als ein Beweismittel unter anderen. Der Richter würdigt die Beweise frei, und ein Geständnis, das kein sonstiger Beweis stützt, trägt keine Verurteilung; ein Geständnis bei der Polizei ohne Verteidiger trägt sie nur, wenn der Angeklagte es vor dem Gericht bestätigt. Demgegenüber ist itiraf das Wort der Alltagssprache und bezeichnet auch das Gestehen gegenüber einem Freund oder einem Journalisten. Wer den Verfahrensbegriff mit dem Alltagswort übersetzt, nimmt der Erklärung ihre Verfahrenswirkung, und wer umgekehrt verfährt, macht aus einer Zeitungsäußerung ein Beweismittel.

Typische Fehler

Der Ausdruck itiraf gehört der Alltagssprache an; im Protokoll steht ikrar.

Ein Geständnis trägt allein keine Verurteilung, es ist ein Beweismittel unter anderen.

Das Geständnis bei der Polizei ohne Verteidiger wirkt nur nach Bestätigung vor dem Gericht.

Tevilli ikrar ist das eingeschränkte Geständnis, das eine Tatsache anerkennt und zugleich entkräftet.

Beispiele
Geständnis ikrar
ein Geständnis ablegen ikrarda bulunmak
das Geständnis widerrufen ikrardan dönmek
eingeschränktes Geständnis tevilli ikrar
die Tat gestehen suçu ikrar etmek
freie Beweiswürdigung delillerin serbestçe değerlendirilmesi
Worauf es ankommt

Ein Widerruf in der Hauptverhandlung stellt die Frage nach dem Wert der früheren Erklärung. Wird der Verfahrensbegriff durch das Alltagswort ersetzt, liest sich ein Protokollsatz wie eine Beichte, und die Verteidigung verliert den Ansatz, die Umstände der Aufnahme anzugreifen. Eine Äußerung gegenüber der Presse wiederum darf nicht als Protokollerklärung erscheinen.

Was die Maschine übersieht

Umgangssprachlich trifft die automatische Übersetzung mit itiraf den Ton, aber nicht das Recht: für „Geständnis“ setzt sie das Wort, mit dem man einem Freund etwas gesteht. Der Verfahrensbegriff ikrar bleibt ungenutzt, und eine zu Protokoll gegebene Erklärung wirkt wie eine private Beichte. Die Frage, ob sie ohne Verteidiger aufgenommen wurde, stellt sich dann gar nicht.

Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.