Straftat
الجريمة für die Straftat als Oberbegriff, الجناية für das Verbrechen und die schwerste Stufe, الجنحة für das Vergehen und die mittlere. Im Zweifel entscheidet die Strafe, die das Gesetz androht, und nicht die Schwere, die das deutsche Wort nahelegt.
Beide Rechtskreise stufen die Tat nach der angedrohten Strafe ein, lesen diese Drohung aber an verschiedenen Stellen ab. Das deutsche Strafgesetzbuch teilt zweigliedrig und schaut auf das Mindestmaß: Setzt das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr als Untergrenze, liegt ein Verbrechen vor, sonst ein Vergehen. Die arabischen Kodifikationen folgen dem französischen Muster und teilen dreigliedrig. Artikel 9 des ägyptischen Strafgesetzbuchs nennt جنايات, جنح und مخالفات, und die Artikel 10 bis 12 bestimmen die Stufe über die Art der angedrohten Strafe, bei der Übertretung über deren Höhe. Daran hängen Gericht, Verfahrensart, Verjährung, Strafbarkeit des Versuchs und die Rechtsmittel. Wer Straftat übersetzt, prüft, welche Strafe das Gesetz androht, und nicht, welche das Gericht verhängt hat.
جريمة ist der Oberbegriff, جناية und جنحة sind Stufen darunter.
Das deutsche Verbrechen bemisst sich am Mindestmaß der angedrohten Strafe, die جناية an deren Art.
Der Versuch heißt الشروع und ist nicht bei jeder Stufe strafbar.
Die Einordnung folgt der angedrohten Strafe, nicht der Bezeichnung in der Anklage.
Anklageschriften tragen die Einordnung der Tat schon im Rubrum, und daran hängt das Gericht. Steht جناية, wo das Gesetz nur الحبس androht, landet der Vorgang bei einem Strafgericht, das dafür nicht zuständig ist. Ein Zeitungsbericht über eine Tat kommt mit جريمة aus, eine Anklage, die ein Gericht bindet, braucht die Stufe.
Straftat trifft maschinell جريمة, und damit endet die Genauigkeit. Verbrechen und Vergehen ordnet eine automatische Übersetzung nach der Schwere, die im deutschen Wort mitschwingt, und nicht nach der Strafe, die das Gesetz androht. Aus einem Vergehen mit hoher Höchststrafe wird dann eine جناية, obwohl das ägyptische Gesetz die Stufe an der Art der Strafe festmacht, und der Text weist die Tat einem anderen Gericht zu. Der Fehler steckt in einer Vorschrift, die im Satz gar nicht steht.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.