Urteil

حكم / قرار
Substantiv · Juristisch

حكم für die gerichtliche Entscheidung, die den Streit in der Sache erledigt, قرار für die Entscheidung, die nur den Verfahrensgang ordnet, رأي für das persönliche Urteil außerhalb des Gerichts. Im Zweifel entscheidet, ob über den Anspruch selbst befunden wurde oder jemand eine Ansicht äußert.

حكم
die Entscheidung, die den Rechtsstreit in der Sache erledigt. Trägt Tenor, Gründe und Rechtskraft und zählt zu den Vollstreckungstiteln.
قرار
die Entscheidung, die den Gang des Verfahrens ordnet. Im marokkanischen Sprachgebrauch heißen auch die Entscheidungen der Berufungs- und Kassationsgerichte so.
رأي
die Ansicht, das persönliche Urteil. Nie für einen Richterspruch.
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Warum

Deutsch nennt jede abschließende Entscheidung eines Gerichts Urteil und benutzt dasselbe Wort für die private Einschätzung. Arabisch trennt beides sauber: حكم ist der Richterspruch, der den Streit erledigt und später vollstreckt wird, رأي ist die Meinung einer Person. Eine zweite Grenze verläuft zwischen حكم und قرار, denn قرار trägt die Entscheidungen, die das Verfahren steuern, und im marokkanischen Sprachgebrauch auch die Entscheidungen der höheren Instanzen. Wer Urteil übersetzt, klärt deshalb zuerst, welche Instanz gesprochen hat und ob über den Anspruch selbst befunden wurde. Sonst rutscht ein vollstreckbarer Richterspruch sprachlich in die Nähe einer bloßen Zwischenentscheidung.

Typische Fehler

حكم ist der Richterspruch, رأي die persönliche Ansicht, wer „sich ein Urteil bilden“ mit حكم überträgt, macht aus einer Einschätzung einen Gerichtsspruch.

Das Versäumnisurteil heißt حكم غيابي, das streitige Urteil حكم حضوري, in Jordanien und Syrien وجاهي.

„Ein Urteil fällen“ heißt يصدر حكماً, das deutsche Bild vom Fallen lässt sich nicht wörtlich übertragen.

حكم نهائي ist mit der Berufung nicht mehr angreifbar, حكم بات mit keinem Rechtsmittel mehr, wer rechtskräftig übersetzt, prüft zuerst, welche Stufe gemeint ist.

Beispiele
ein Urteil erlassen يصدر حكماً
die Urteilsverkündung النطق بالحكم
ein rechtskräftiges Urteil حكم بات
ein Versäumnisurteil حكم غيابي
ein Urteil vollstrecken تنفيذ الحكم
gegen ein Urteil Rechtsmittel einlegen الطعن في الحكم
Worauf es ankommt

Ein Vollstreckungsantrag steht und fällt mit der Frage, ob eine Entscheidung in der Sache vorliegt. Wird das Urteil zu قرار, sucht die Vollstreckungsstelle nach einem Titel, den der Text gar nicht benennt. Für einen Zeitungsbericht über einen Prozess genügt das ungefähre Wort, sobald ein Schriftstück vollstreckt oder anerkannt werden soll, gehört genau dieses Wort geprüft.

Was die Maschine übersieht

Ob ein Gericht in der Sache entschieden oder nur den Verfahrensgang geordnet hat, liest eine automatische Übersetzung dem Satz nicht ab; sie setzt حكم und قرار nach dem Wortumfeld. In einem Vollstreckungsantrag steht dann قرار, wo das Gesetz für den Titel حكم verlangt, und der Antrag verliert seine Grundlage. Dieselbe Blindheit trifft die Alltagsbedeutung: aus „mein Urteil über die Lage“ wird حكم, und der Satz klingt wie ein Richterspruch. Auffällig ist beides nicht, weil beide Wörter im Rechtstext plausibel wirken.

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Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.