Pflichtteil

compulsory portion
Substantiv · Juristisch

compulsory portion für den gesetzlichen Mindestanspruch naher Angehöriger in Geld. Forced heirship trägt eine andere Systematik, share allein verführt zur dinglichen Vorstellung. Im Zweifel entscheidet, ob ein Geldanspruch oder eine Beteiligung an der Substanz gemeint ist.

compulsory portion
die etablierte Wiedergabe im deutschsprachigen Rechtsverkehr; betont den zwingenden Charakter des Anspruchs.
compulsory share
funktional gleichwertig, verbreitet im internationalen Schrifttum, aber im Wort share liegt die falsche Assoziation eines Sachanteils.
forced heirship
das französische und louisianische System, in dem die Berechtigten wirklich Miterben werden, mit dem deutschen Pflichtteil nicht deckungsgleich.
Mehr dazu
Warum

Der Pflichtteil nach Paragraph 2303 BGB ist ein Geldanspruch, den nahe Angehörige gegen den oder die Erben erheben können, wenn sie durch letztwillige Verfügung von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wurden; er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, aber immer in Geld, nie in Substanz. Compulsory portion trägt diese Natur zuverlässig, während compulsory share sprachlich auf einen Anteil hinweist und die Erwartung weckt, der Berechtigte sei Miterbe. Forced heirship gehört wieder einer anderen Familie an: dem System, in dem die Berechtigten qua Gesetz zu Erben werden, wie im französischen Code civil oder im Erbrecht Louisianas. Übernimmt eine deutsche Klausel diese Fremdsystematik, erwartet der englischsprachige Leser plötzlich einen Sachanspruch, den das BGB gerade ausschließt.

Typische Fehler

Forced heirship trägt das französische Substanzsystem, mit dem der deutsche Pflichtteil systemisch nichts gemein hat.

Der Pflichtteilsberechtigte ist entitled to a compulsory portion, nicht forced heir, das Wort heir würde Miterbenschaft suggerieren.

Elective share ist ein enges US-Institut für den überlebenden Ehegatten, keine Standardübersetzung für den deutschen Pflichtteil aller Berechtigten.

Pflichtteilsergänzungsanspruch heißt claim for supplementation of the compulsory portion, nicht additional inheritance claim.

Beispiele
den Pflichtteil verlangen to claim the compulsory portion
pflichtteilsberechtigt entitled to a compulsory portion
Höhe des Pflichtteils amount of the compulsory portion
Pflichtteilsverzicht waiver of the compulsory portion
Pflichtteilsergänzungsanspruch claim for supplementation of the compulsory portion
Worauf es ankommt

Klagt ein enterbter Sohn auf seinen gesetzlichen Mindestanteil, geht der Prozess um eine Geldforderung gegen den Erben, nie um einen Sachgegenstand. Wechselt der Übersetzer zu forced heirship oder share of the estate, richtet sich der Anspruch scheinbar gegen bestimmte Vermögensgegenstände, und die Gegenseite verteidigt sich gegen einen Zugriff, den das BGB gar nicht kennt. Der Kern lässt sich in einem Wort halten: eine Zahlungsklage, kein Herausgabestreit.

Was die Maschine übersieht

Compulsory portion trifft ein automatischer Übersetzer meist richtig, doch schon in der Zusammensetzung geht die Rechtsnatur verloren: „Anspruch auf den Pflichtteil“ wird zu claim to a share of the estate und weckt die Vorstellung eines Anteils an den Sachen selbst. Das deutsche Recht kennt aber gerade keinen Sachanteil des Pflichtteilsberechtigten, nur einen Geldanspruch gegen den Erben. Was die Maschine übersieht: dass share im Erbrecht dinglich klingt und den Pflichtteilsberechtigten damit zu einem Miterben aufwertet, der er nach dem BGB niemals ist.

Ähnliche Begriffe

Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.