Sittenwidrigkeit

ahlaka aykırılık
Substantiv · Juristisch

Nimm ahlaka aykırılık, wenn der Verstoß gegen die guten Sitten gemeint ist; ahlaka ve adaba aykırılık, wenn ein Urteil oder ein Lehrbuch die ältere Doppelformel führt. Im Zweifel entscheidet, ob der heutige Gesetzestext zitiert wird oder eine ältere Entscheidung.

ahlaka aykırılık
der Verstoß gegen die guten Sitten. Führt nach dem Türk Borçlar Kanunu zur Nichtigkeit des Vertrages.
ahlaka ve adaba aykırılık
die ältere Doppelformel aus Rechtsprechung und Schrifttum, sachlich dasselbe.
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Warum

Das türkische Obligationenrecht führt die Sitten in einer Reihe mit den zwingenden Vorschriften, der öffentlichen Ordnung und den Persönlichkeitsrechten. Jeder dieser Verstöße macht den Vertrag von Anfang an unwirksam, und sie stehen nebeneinander, nicht ineinander. Deutsch bündelt einen großen Teil davon unter dem einen Stichwort der Sittenwidrigkeit, weshalb eine Übersetzung leicht zusammenzieht, was das Gesetz getrennt hat. Die schärfere Falle liegt aber im Wortstamm, denn ahlaksızlık bezeichnet die Unsittlichkeit eines Menschen. Ein Vertrag ist niemals ahlaksız; er ist ahlaka aykırı.

Typische Fehler

Ahlaksızlık bezeichnet die Unsittlichkeit eines Menschen; ein Vertrag ist ahlaka aykırı, nicht ahlaksız.

Ahlak ist die Sittlichkeit, adab der Anstand; die alte Doppelformel meint keine zwei verschiedenen Maßstäbe.

Der Verstoß gegen die öffentliche Ordnung steht im Gesetz neben dem Sittenverstoß; wer beide zusammenzieht, verliert einen eigenständigen Nichtigkeitsgrund.

Wucher heißt aşırı yararlanma, in älteren Texten gabin; er ist ein eigener Tatbestand mit eigener Rechtsfolge und keine Unterart der Sittenwidrigkeit.

Beispiele
Sittenwidrigkeit ahlaka aykırılık
sittenwidriger Vertrag ahlaka aykırı sözleşme
gute Sitten genel ahlak
Verstoß gegen die öffentliche Ordnung kamu düzenine aykırılık
Wucher aşırı yararlanma
Persönlichkeitsrechte kişilik hakları
Worauf es ankommt

Wucherzinsen, Knebelverträge, Abreden über strafbares Verhalten: hier hängt die Wirksamkeit an einem Wertmaßstab. Wird der Verstoß gegen die guten Sitten als moralische Verfehlung einer Person übersetzt, wandert der Vorwurf vom Vertrag auf den Vertragspartner, und aus einer Rechtsfrage wird eine Beleidigung. Ein Gericht prüft den Inhalt der Abrede, nicht den Charakter des Unterzeichners.

Was die Maschine übersieht

Eine Silbe entscheidet: für „Sittenwidrigkeit“ liefert die automatische Übersetzung häufig ahlaksızlık, und das ist die Unsittlichkeit eines Menschen. Der Satz, ein Vertrag sei sittenwidrig, wird damit zu einer Aussage über die Moral der Beteiligten. Vor Gericht ist das kein Nichtigkeitsgrund mehr, sondern ein persönlicher Vorwurf.

Ähnliche Begriffe

Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.