Nachlass

estate
Substantiv · Juristisch

estate für die Vermögensmasse des Verstorbenen. Inheritance meint eher, was einer daraus bekommt, decedent's assets bleibt umschreibend. Im Zweifel entscheidet, ob die Masse als Rechengröße oder der Zufall an eine Person gemeint ist.

estate
die Vermögensmasse des Verstorbenen im Zeitpunkt des Erbfalls, mit Aktiva und Passiva, aus der sich alle Nachlassansprüche speisen.
decedent's estate
die US-amerikanisch schärfere Fügung, wenn Verwechslungen mit anderen Estate-Bedeutungen zu vermeiden sind.
inheritance
der Anfall aus Sicht des Empfängers, nicht die Masse als Ganzes.
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Warum

Nachlass ist der Vermögensinbegriff des Verstorbenen, aus dem der Erbe schöpft, der Pflichtteilsberechtigte seinen Anspruch berechnet, der Vermächtnisnehmer seinen Gegenstand und der Nachlassgläubiger seine Forderung. Estate deckt diese Massen-Perspektive vollständig ab und wird im englischen Erbrecht ohne Zusatz verstanden. Sprachlich liegt Nachlass in Deutschland dicht an Erbschaft, aber die Blickrichtung ist eine andere: Nachlass ist die Vermögenslage, Erbschaft das, was jemandem daraus zuwächst. Übersetzt inheritance den Nachlass, wandert der Blick vom Verwalter zum Empfänger, und ein Nachlassverzeichnis liest sich wie eine Empfängerliste.

Typische Fehler

Nachlass ist die Masse selbst, inheritance meint dagegen, was einer davon bekommt; das erste ist der Zähler, das zweite der Anteil.

Estate meint hier die Vermögensmasse, nicht den Landbesitz oder die feudalrechtliche Grundeigentumsform.

Nachlassverwalter heißt administrator of the estate, nicht estate manager, das gehört ins Immobilienwesen.

Nachlassgericht ist probate court, nicht estate court oder inheritance court.

Beispiele
den Nachlass verwalten to administer the estate
Nachlassverbindlichkeiten debts of the estate
Nachlassinsolvenz insolvency of the estate
Wert des Nachlasses value of the estate
Nachlassgericht probate court
Worauf es ankommt

Nimmt ein Nachlassverwalter Aktiva und Passiva auf, ordnet ein Testamentsvollstrecker Vermögensgegenstände zu, setzt ein Finanzamt Werte für die Steuer an, ist estate die durchgängige Bezugsgröße. Steht dort inheritance, wandert der Blick auf einen Erben, und das Verzeichnis liest sich, als sei es schon verteilt. In einer Erzählung „er hinterließ einen kleinen Nachlass“ spielt die Wahl keine Rolle; im Verzeichnis, im Bescheid, in der Klage aber sofort.

Was die Maschine übersieht

Beim Wort Nachlass bewegt sich ein automatischer Übersetzer zwischen inheritance und estate, ohne die Perspektive zu klären. Wo der deutsche Text die Masse als Rechengröße meint, klingt inheritance nach dem Zufall an eine Person; wo der Anfall gemeint ist, wirkt estate nach ungeteilter Verwaltung. Was die Maschine übersieht: dass Nachlass immer der Verwalterblick ist, Erbschaft immer der Empfängerblick, und dass Englisch diese Trennung aktiv macht.

Ähnliche Begriffe

Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.