Zuständigkeit

görev / yetki
Substantiv · Juristisch

Nimm görev, wenn die sachliche Zuständigkeit gemeint ist, also welche Art von Gericht entscheidet; yetki, wenn es um den Gerichtsort geht; yargı yolu, wenn erst zu klären ist, welche Gerichtsbarkeit überhaupt zuständig ist. Im Zweifel entscheidet, ob nach der Gerichtsart, nach dem Ort oder nach dem Rechtsweg gefragt wird.

görev
die sachliche Zuständigkeit, welche Art von Gericht entscheidet. Zwingendes Recht, von Amts wegen zu prüfen und nicht durch Auslegung erweiterbar.
yetki
die örtliche Zuständigkeit, welcher Gerichtsort entscheidet. Vielfach dispositiv, in einzelnen Fällen zwingend.
yargı yolu
der Rechtsweg, ob die ordentliche oder die Verwaltungsgerichtsbarkeit zu befinden hat.
Mehr dazu
Warum

Deutsch fasst alles unter „Zuständigkeit“ und unterscheidet erst über Adjektive: sachlich, örtlich, funktionell, international. Türkisch trennt schon im Wortschatz, görev meint die Gerichtsart, yetki den Gerichtsort. Die Trennung hat Folgen: über görev können die Parteien nicht verfügen, das Gericht prüft sie von Amts wegen, während der Gerichtsstand in vielen Verfahren vereinbart werden kann. Wer „Zuständigkeit“ pauschal mit yetki übersetzt, macht aus einer Frage des zwingenden Rechts eine Frage der Parteivereinbarung. Hinzu kommt eine Falle außerhalb des Prozessrechts, denn yetki bezeichnet auch die Befugnis, etwa in temsil yetkisi für die Vertretungsmacht.

Typische Fehler

„Sachlich zuständig“ heißt görevli, „örtlich zuständig“ heißt yetkili; ein einziges yetkili für beides verwischt die Unterscheidung.

Das Wort yetki trägt außerhalb des Prozessrechts die Bedeutung Befugnis, etwa in temsil yetkisi; wer es unbesehen für Zuständigkeit einsetzt, landet im Vollmachtsrecht.

„Unzuständigkeit“ ist je nach Achse görevsizlik oder yetkisizlik, und das Gericht erlässt entsprechend eine görevsizlik kararı oder eine yetkisizlik kararı.

Eine Gerichtsstandsvereinbarung heißt yetki sözleşmesi; eine Vereinbarung über die Gerichtsart gibt es nicht, „görev sözleşmesi“ ist keine Fügung des Rechts.

Beispiele
sachliche Zuständigkeit görev
örtliche Zuständigkeit yetki
zuständiges Gericht görevli ve yetkili mahkeme
sachliche Unzuständigkeit görevsizlik
Gerichtsstandsvereinbarung yetki sözleşmesi
die örtliche Zuständigkeit rügen yetki itirazında bulunmak
Worauf es ankommt

Eine Klageschrift nennt zuerst das Gericht, und genau dort entscheidet sich, ob die Sache überhaupt weiterläuft. Wird die sachliche mit der örtlichen Zuständigkeit verwechselt, rügt der Gegner die falsche, das Gericht verweist, und Monate gehen verloren. Über den Gerichtsort dürfen die Parteien in vielen Fällen verfügen, über die Gerichtsart nie; wer beides mit demselben Wort abbildet, löscht diesen Unterschied.

Was die Maschine übersieht

Maschinelle Übertragung kennt für „Zuständigkeit“ meist nur ein türkisches Wort und wählt yetki, auch dort, wo die Gerichtsart gemeint ist. Damit steht in der Klageschrift eine Ortsfrage, wo eine Frage des zwingenden Rechts stünde, und der Leser hält für verhandelbar, was nicht verhandelbar ist.