Berufung
استئناف für die Berufung als Rechtsmittel zur zweiten Instanz, طعن für den Angriff auf eine Entscheidung als Oberbegriff, التمسك بـ für die Berufung auf eine Vorschrift. Im Zweifel entscheidet, ob ein Gericht angerufen oder eine Norm ins Feld geführt wird.
Berufung meint im Prozessrecht das Rechtsmittel zur zweiten Instanz, daneben aber auch die Ernennung in ein Amt und das Sich-Stützen auf eine Norm. Arabisch verteilt diese Bedeutungen auf drei Wörter, die miteinander nichts zu tun haben: استئناف, تعيين und التمسك بـ. Innerhalb der Rechtsmittel verläuft die zweite Grenze, denn طعن ist der Oberbegriff und umfasst neben der Berufung auch die Kassation, die je nach Rechtsordnung نقض oder تمييز heißt und allein die Rechtsanwendung prüft. Wer eine Rechtsmittelbelehrung übersetzt, benennt mit استئناف die Tatsacheninstanz und legt damit fest, was das nächste Gericht überhaupt nachprüfen darf.
Die Revision heißt نقض oder, je nach Rechtsordnung, تمييز und prüft nur die Rechtsanwendung, sie ist keine zweite Tatsacheninstanz und damit keine Berufung.
Die Berufung in ein Amt heißt التعيين, wer dafür استئناف einsetzt, macht aus einer Ernennung ein Rechtsmittel.
„Sich auf eine Vorschrift berufen“ heißt التمسك بنص oder الاستناد إلى نص, niemals استئناف.
استئناف trägt außerhalb des Rechts die Bedeutung Wiederaufnahme einer Tätigkeit, im Fließtext deshalb den juristischen Zusammenhang sichern.
Wer eine Rechtsmittelbelehrung oder eine Fristenmitteilung überträgt, entscheidet mit dem Wort über den Weg, den die Partei einschlagen soll. Steht طعن, wo استئناف gemeint ist, bleibt offen, welches Gericht angerufen wird und welche Frist läuft. Ein Zeitungssatz über einen Prozess verträgt den Oberbegriff, ein Schriftsatz mit laufender Frist verlangt das genaue Rechtsmittel.
Drei Bedeutungen stecken im deutschen Wort Berufung, und eine automatische Übersetzung sieht dem Satz meist nicht an, welche gemeint ist. Aus der Berufung auf eine Vorschrift wird dann استئناف, aus dem Rechtsmittel gelegentlich تعيين. Der arabische Satz bleibt grammatisch tadellos und behauptet, jemand habe ein Gericht angerufen, wo er sich nur auf eine Norm gestützt hat. Weil beide Lesarten in einem Rechtstext denkbar sind, fällt der Fehler oft erst auf, wenn die Frist abgelaufen ist.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.