Untreue
embezzlement and abuse of trust nach der amtlichen Fassung des § 266; die Textrevision kürzt auf embezzlement, was mit der Unterschlagung kollidiert, breach of trust ist die verbreitete Kurzbeschreibung. Im Zweifel entscheidet, ob eine Vermögensbetreuungspflicht verletzt ist.
Die Untreue nach § 266 hat im Common Law kein Gegenstück: bestraft wird, wer eine eingeräumte Befugnis über fremdes Vermögen missbraucht oder eine Vermögensbetreuungspflicht verletzt und dadurch dem Treugeber Nachteil zufügt; eine Bereicherung ist nicht erforderlich. Die amtliche Fassung übersetzte lange embezzlement and abuse of trust, die aktuelle Revision kürzt auf embezzlement. Damit wandert dieselbe englische Vokabel zwischen den Delikten, denn embezzlement liest ein amerikanischer Jurist als Zueignung anvertrauten Geldes, also in der Nähe der Unterschlagung, die amtlich unlawful appropriation heißt.
embezzlement allein liest ein amerikanischer Jurist als Zueignung anvertrauten Geldes, also in der Nähe der Unterschlagung; der Betreuungscharakter des § 266 verschwindet.
misappropriation ist die Sphäre der Unterschlagung, amtlich unlawful appropriation nach § 246; für die Untreue zu schmal.
infidelity und disloyalty sind Wörterbuchtreffer aus dem Eherecht und der Moral, keine Delikte.
Untreue setzt keine Bereicherung voraus, nur einen Nachteil des Treugebers; wer enrichment in den Vorwurf schreibt, verschärft den Tatbestand falsch.
Gegen den Geschäftsführer läuft ein Verfahren, weil er Gesellschaftsvermögen ohne Gegenleistung verschoben hat, und die Konzernmutter im Ausland will den Vorwurf verstehen. Steht embezzlement, sucht sie nach Geld in seiner Tasche und übersieht den Pflichtenverstoß. Für eine erste Meldung nachrangig; in der Bewertung durch Versicherer und Aufsichtsrat trägt die genaue Deliktsnatur.
Untreue kennt keine englische Entsprechung, also rät die Maschine: mal infidelity wie im Eherecht, mal embezzlement, mal breach of trust. Jede Wahl zieht das Delikt in ein fremdes Raster; den Missbrauch einer Befugnis über betreutes Vermögen trägt keine. Der Empfänger liest eine Anklage wegen eines Delikts, das sein Recht nicht kennt.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.