Gläubigerversammlung
creditors' assembly nach der amtlichen Fassung des § 74, verbreitet creditors' meeting: das Beschlussorgan der Gläubiger unter Leitung des Insolvenzgerichts. Vom kleineren Gläubigerausschuss, dem creditors' committee, sauber trennen. Im Zweifel entscheidet, ob Vollversammlung oder Ausschuss gemeint ist.
Die Gläubigerversammlung ist das oberste Organ der Gläubigerselbstverwaltung: Das Insolvenzgericht beruft sie ein und leitet sie, § 74; im Berichtstermin entscheidet sie über Stilllegung oder Fortführung, sie wählt den endgültigen Verwalter; einen Gläubigerausschuss setzt § 67 daneben. Gestimmt wird nach § 76 nach Forderungssummen, nicht nach Köpfen. Die amtliche assembly betont das Plenum; das englische creditors' meeting ist geläufig, kollidiert aber mit den decision procedures des modernen englischen Rechts, das physische Versammlungen weitgehend abgeschafft hat. Wer meeting schreibt, erklärt besser die deutsche Präsenzlogik dazu.
creditors' committee ist der Ausschuss weniger Vertreter; wer Versammlung und Ausschuss mischt, verschiebt Kompetenzen.
shareholders' meeting liegt ein Rechtsgebiet daneben; hier stimmen Gläubiger, nicht Anteilseigner.
Das Stimmgewicht folgt der Forderungshöhe; one creditor, one vote wäre eine falsche Zusicherung.
general meeting ist die Hauptversammlung der Aktionäre; assembly of creditors ohne den festen Apostroph wirkt übersetzt, die Fügung creditors' assembly ist gesetzt.
Zur ersten Gläubigerversammlung reisen Vertreter aus drei Ländern an, und die Einladung samt Tagesordnung geht vorab auf Englisch hinaus. Steht committee meeting, bleiben die Kleingläubiger zu Hause, weil sie sich nicht vertreten glauben. Für die Raumplanung nachrangig; an der Bezeichnung hängt, wer sein Stimmrecht wahrnimmt.
Gläubigerversammlung gerät maschinell zur creditors' meeting, und im britischen Ohr klingt das nach einem Verfahren von gestern, denn dort haben decision procedures die Saalversammlung abgelöst. Oder es wird gleich das committee daraus, ein Gremium statt des Plenums. Beide Fehlgriffe verschieben, wer einberuft, wer stimmt und was beschlossen werden kann.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.