Probezeit
probationary period für die Probezeit: höchstens sechs Monate, Kündigungsfrist verkürzt auf zwei Wochen nach § 622, kein Grund nötig; informeller trial period. Nicht verwechseln mit der Wartezeit des Kündigungsschutzes, die läuft unabhängig; probation und qualifying period ticken getrennt. Im Zweifel entscheidet, welche der beiden gemeint ist.
Die Probezeit ist vereinbarte Erprobung mit verkürzter Leine: Bis zu sechs Monate dürfen die Parteien vereinbaren, in dieser Zeit gilt die Zwei-Wochen-Frist des § 622, kündbar täglich, ohne Begründung. Der Denkfehler: Die Kündigungsfreiheit sitzt nicht hier, sondern in der sechsmonatigen Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes, die unabhängig von jeder Vereinbarung läuft; ohne Probezeit gilt vom ersten Tag die Grundfrist von vier Wochen, soziale Rechtfertigung braucht es erst nach der Wartezeit. Zwei Uhren: eine verkürzt die Frist, die andere schaltet den Schutz scharf.
probation im US-Handbuch ist oft folgenlose Floskel im at-will-Umfeld; die deutsche Probezeit hat harte Rechtsfolge, die halbierte Frist.
Wartezeit und Probezeit sind nicht synonym: qualifying period des Schutzes gegen probationary period des Vertrags, wer beide mischt, berät falsch.
Länger als sechs Monate geht die Verkürzung nicht; extended probation ist deutsch nur als längere Kündigungsfrist konstruierbar, nicht als Schutzaufschub.
Auch in der Probezeit gelten Mutterschutz und Schwerbehindertenschutz; probation ohne Schranken gibt es nicht.
Verlängern will das HQ in Boston die probation auf zwölf Monate, to keep flexibility, und der deutsche Vertragsentwurf soll das abbilden. Die Verkürzung endet aber bei sechs Monaten, und der Kündigungsschutz startet nach der Wartezeit ohnehin; die gewünschte Flexibilität existiert im deutschen Recht schlicht nicht.
Probezeit verwechselt die Maschine systematisch mit der Schutzwartezeit und macht aus zwei Uhren eine, probation period covers the first six months. Der Leser glaubt, mit Ablauf der Vereinbarung beginne der Schutz oder ende mit ihr die Freiheit, beides falsch. Das HQ plant Trennungen nach einem Kalender, den es nicht gibt.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.