Führungszeugnis
certificate of conduct nach dem englischen Sprachgebrauch des ausstellenden Bundesamts für Justiz, in Visa- und Einwanderungsverfahren auch police certificate. Führung meint hier das Vorstrafenbild, nicht eine Leitungstätigkeit. Im Zweifel entscheidet, ob ein Registerauszug über Vorstrafen gemeint ist.
Das Führungszeugnis ist der Auszug aus dem Bundeszentralregister und weist eingetragene strafrechtliche Verurteilungen aus; das erweiterte Führungszeugnis wird für Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen verlangt. Das ausstellende Bundesamt für Justiz nennt es auf seinen englischen Formularen certificate of conduct, daneben sind certificate of good conduct und in Einwanderungsverfahren police certificate verbreitet. Das Wort Führung meint hier die Lebensführung im Sinn des Vorstrafenbildes, nicht das Führen eines Unternehmens oder einer Gruppe. Genau daran scheitert die wörtliche Übertragung.
Führung meint hier die Lebensführung, nicht eine Leitungstätigkeit, leadership certificate ist sinnlos.
Das Führungszeugnis ist kein Arbeitszeugnis, dieses heißt reference oder employment reference.
Certificate of conduct nutzt die ausstellende Behörde selbst, certificate of good conduct ist daneben weit verbreitet und nicht falsch.
Criminal record allein bezeichnet das Vorstrafenregister, nicht die Bescheinigung daraus.
Bewirbt sich jemand im Ausland und soll seine Vorstrafenfreiheit belegen, muss das Dokument sofort erkennbar sein. Steht leadership certificate, liest die Personalabteilung eine Führungsqualifikation und sucht das eigentliche Papier weiter. Bei einer mündlichen Erwähnung fällt der Fehler auf; auf dem Dokument selbst bleibt er stehen.
Führungszeugnis zerlegt eine Maschine in Führung und Zeugnis und liefert leadership certificate oder conduct report, weil Führung im Deutschen beides tragen kann. Dass es um einen Auszug aus dem Strafregister geht, verschwindet vollständig. Wo von Vorstrafen die Rede ist, korrigiert der Zusammenhang; als Dokumenttitel bleibt der Fehler unbemerkt stehen.
Der Begriffsraum erklärt Sprache, nicht den Einzelfall. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlich verbindlichen Dokumenten sollte die Übersetzung fachkundig geprüft werden.