Anamnese
medical history für die erhobene Vorgeschichte, history taking für das Erheben selbst, collateral history für die Fremdanamnese. Anamnesis existiert im Englischen, wirkt aber gelehrt bis veraltet und gehört nicht in den Arztbrief. Im Zweifel entscheidet, ob Ergebnis oder Vorgang gemeint ist.
Die Anamnese ist die vom Arzt strukturiert erhobene Vorgeschichte und damit mehr als das, was ein Patient von sich aus erzählt. Das Englische zerlegt sie in benannte Abschnitte: past medical history für frühere Erkrankungen, family history, social history, drug history für die Medikamente, review of systems für die vegetative Anamnese. Anamnesis gibt es als Wort, begegnet aber fast nur in Übersetzungen aus dem Deutschen und wirkt auf britische wie amerikanische Leser antiquiert. Für die Fremdanamnese steht collateral history.
Anamnesis ist kein Fehler, aber ein Register: In Arztbrief und Patienteninformation erwartet der Leser history.
Fremdanamnese heißt collateral history, nicht external oder third-party anamnesis.
Die vegetative Anamnese entspricht nur annähernd dem review of systems; dieser fragt alle Organsysteme ab, jene vor allem Appetit, Schlaf, Gewicht und Ausscheidung.
Anamnese und Vorgeschichte fallen nicht zusammen; history meint hier das ärztlich Erhobene, nicht jede bekannte Vorbelastung.
Nach dem Unfall kann der Patient selbst nichts berichten, und die Tochter schildert den Verlauf. Als anamnesis taken from the daughter liest die aufnehmende Klinik eine eigenwillige Formel; collateral history ist der Abschnitt, den sie sucht.
Anamnese gibt die Maschine als anamnesis wieder, ein Wort, das es gibt und das trotzdem niemand schreibt. Der Arztbrief klingt dann nach Lehrbuch des vorigen Jahrhunderts, und der Abschnitt, den die Gegenseite sucht, heißt schlicht History.